Texte

Werner Meyer »Pars pro toto. Zu den Skulpturen von Jürgen Schön«

»Der Zweck des Kunstwerks ist die Bestimmtheit des Unbestimmten.«
(Theodor W. Adorno)

Ambivalenz ist ein Schlüsselbegriff für die visuelle Erscheinung wie für die Bedeutung der Skulpturen von Jürgen Schön. Einerseits suggerieren sie Dinge. Will man sie jedoch als Abbilder erkennen und als Objekte benennen, verweigern sie sich andererseits weitgehend einer Bestimmung im Sinne von Begriff und Funktion. Selbst einer lapidaren Geometrie entziehen sie sich mit der betont modellierten Form ihres Volumens und ihrer Oberfläche. Dass der Künstler ihnen keinen Titel gibt, ist nur konsequent.

Andreas Bee »Auf den zweiten Blick«

Sprechen wir zunächst noch nicht von Kunst, sprechen wir besser davon, daß Formen Ausdruck und Träger spezifischer Energien sein können. Erinnern wir uns noch einmal daran, daß das wirklich Erstaunliche an Bildern doch dies ist: daß sie in der Lage sind, emotional-körperliche Reaktionen hervorzurufen. Bedenken wir darüber hinaus gründlich jene eigentümlichen und nicht selten überraschenden, letztlich ganz und gar unberechenbaren Kräfte, die ein Bild verströmen kann.

Claudia Brink »Zwischen den Zeilen«

36 Zeichnungen bilden den Auftakt der Ausstellung pars pro toto von Jürgen Schön. Angeordnet in vier Zeilen zu je neun Blättern, präsentieren sich die Arbeiten auf Papier als fester Block, so als suchten sie sich gegenseitig Halt zu geben. Die wandfüllende Gesamtkomposition in dem Raum vor der eigentlichen Ausstellungshalle lebt von der unterschiedlichen Beschaffenheit und Farbigkeit der gewählten Papiere. Die zwischen Weiß, Hellgrau, Gelb und einem zarten Rosa variierenden Töne schlagen weite Span­nungsbögen, ebenso die klar konturierten oder amorph ausufernden, die zart schraffierten oder deckend gemalten Formen selbst. So ergibt sich ein Ensemble, in dem der umherschweifende Blick, die verschiedenartigen Umrisse und Oberflächen­strukturen abtastend, vielfältige Bezüge zwischen den Zeichnungen ausmachen kann. Manche fungieren als überleitende Vermittler, manche als kontrastierende Widerlager, manche gar als Störfaktoren des gesamten Blocks.

Ralph Lindner »Zu den Objekten von Jürgen Schön«

Der Betrachter der Objekte Jürgen Schöns macht eine paradox anmutende Beobachtung: Je unauffälliger sich die Arbeiten in den Raum einfügen und dort eine scheinbar angestammte Existenz behaupten, desto deutlicher treten sie ins Bewußtsein des Betrachters. Dieser Widerspruch stellt unsere Konventionen im Umgang mit den Dingen in Frage.